Schon auf meinem alten Galaxy 3 (i5800) habe ich mich tierisch darüber gefreut, dass marcellusbe dem alten Telefon mit einem inoffiziellen CyanogenMod wieder neue Lebensgeister einhauchte und ich das Smartphone vermutlich deswegen länger benutzen konnte.

Doch zunächst sollte man erklären was CyanogenMod oder ParanoidAndroid aus dem Titel eigentlich sind. Dazu muss erwähnt werden, dass Google das Android-Betriebssystem von Anfang an offen entwickelte und auf den Linux-Kernel als Grundsystem setzte. Der Quellcode ist frei verfügbar und kann von jedem verwendet und verändert werden, solange die entsprechenden Lizenzen eingehalten werden. Bei ältereren Smartphone war es durchaus üblich, dass Hersteller sich kaum Mühe gaben, neue Versionen von Android auf alte Smartphones zu portieren, so dass man als normale Anwenderin keine Möglichkeit hatte, neuere Versionen verwenden zu können, die auf der alten Hardware eigentlich problemlos liefen. Das war sicher einer der Gründe, neben dem üblichen Hackergeist, Software auf allen Geräten laufen lassen zu können, dass Foren wie XDA-Developers entstanden, die Enthusiasten der einzelnen Smartphones zusammenführten. Dort versuchten dann talentierte Hobby-Entwicklerinnen neue Android-Versionen auf den alten Smartphones zum Laufen zu bringen. Bei vielen Smartphones gelang das auch und durch den Erfolg von z.B. dem CyanogenMod-Projekt, stellen Hersteller zum Teil sogar kostenlos ihre Smartphones bereit, damit CyanogenMod darauf portiert werden kann. Neben der neueren Android-Version, die die Hersteller oft nicht liefern, mehr Stabilität und Geschwindigkeit, bieten diese sogenannten Custom Roms auch einige eigene Features mit, wie zuletzt z.B. Focal, die neue Kamera Anwendung des CyanogenMod-Projektes.

Doch zurück zum eigentlichen Thema. Seit April bin ich glücklicher Besitzer eines Nexus 4 und benutze seitdem CyanogenMod. Man kann sich darüber streiten, ob man es auf Smartphones der Nexus-Reihe überhaupt benötigt, aber ich habe mich schon so sehr an CyanogenMod und dessen Features gewöhnt, so dass die Entscheidung eigentlich sehr schnell gefallen ist. Nachdem ich nun aber etwas gelangweilt war und noch nicht auf die instabilen Android 4.3 CyanogenMod Nightlies, also täglich neue Versionen mit aktuellen Veränderungen, umsteigen wollte, habe ich mir überlegt was neues auszuprobieren. Ein beliebtes anderes Custom Rom ist Paranoid Android. Es weist eine ähnlich aktive Community auf wie CyanogenMod. Bekannt ist Paranoid Android u.a. durch Halo, einem neuen Multitasking-Widget, das mittlerweile in Version 2 vorliegt. Außerdem bietet es schon eine stabile Android 4.3. Implementierung.

Ich habe Halo kurz ausprobiert, bin aber noch nicht ganz überzeugt, dass es meinen Workflow verbessern kann. Nett ist es auf jeden Fall und sicherlich einen zweiten Blick wert. Auch die viel gelobte PIE-Navigation ist nicht so meins. Zusätzlich bietet Paranoid Android die sogenannte Hybrid Properties, die es einem ermöglichen, App spezifisch zwischen Tablet und Smartphone UI zu wechseln, was bei hochauflösenden und breiten Smartphones sicherlich von Vorteil sein kann. Ich habe es noch nicht getestet, aber auch das scheint Potential zu haben.

Auch wenn ich nicht viele der Funktionen, die Paranoid Android besonders machen, benutze und ich vermutlich irgendwann wieder zu CyanogenMod zurückwechseln werde, so ist die Stabilität und die Akkulaufzeit doch bemerkenswert gut und gefühlt besser als bei CyanogenMod. Der Ausflug in eine andere Android Welt hat sich bisher gelohnt und ein Blick über den Tellerrand schadet ja bekanntlich nicht.