Heute habe ich auf das Beitrittsdatum meines OpenStreetMap-Profils geschaut, der 12. August 2009. Ich erinnere mich noch genau, wie ich anfing in meinem Heimatdorf die ersten Straßenverläufe zu verbessern, Waldwege einzufügen, mit meinen Problemen auf der Mailingliste Hilfe zu suchen und sie sofort zu erhalten. Ich erinnere mich noch, wie ich mit JOSM, dem Profiwerkzeug damals komplett überfordert war und alle meine ersten Änderungen mit Potlatch 1 gemacht habe. Es war alles sehr anstrengend, aber ich war von Anfang an Feuer und Flamme. Jeder ungemappte Weg musste mit dem GPS-Gerät erfasst werden, besser noch gestern als sofort. Kein anderes Projekt hat so viel Lust auf mehr gemacht wie OpenStreetMap.

Mein Arbeitsradius wuchs von Woche zu Woche, irgendwann war ich dann schon in der nächstgrößeren Stadt unterwegs und habe Straßenverläufe mehrmals abgefahren, um den meines Erachtens nach falschen Verlauf zu korrigieren. Ich habe mit der Straßenlistenauswertung von Florian Lohoff in allen Dörfern und Städten in der Nähe des Wohnorts meiner Eltern angefangen fehlende Straßen hinzuzufügen, ich habe die tollsten und auch die seltsamsten Ecken, die ich sonst nie gesehen hätte, in meiner nächsten Nachbarschaft entdeckt. Mit meinem Umzug nach Augsburg hatte ich dann richtig viel zu tun, Straßennamen haben etwa noch 200 gefehlt. Das hat mich motiviert und war Ansporn dies zu verbessern. Jeden Tag wurden es weniger fehlende Straßen. Dabei machte ich auch Bekanntschaft mit Dietmar, einem anderen fleißigen und engagierten Mapper aus der Augsburger Gegend. Ich erinnere mich noch genau, wie wir damals den ersten Augsburger Mapperstammtisch ins Leben gerufen haben. Das Foto auf der Wiki-Seite entstand an diesem Abend.

In der Zwischenzeit waren wir Augsburger OSMler auch beim Stadtvermessungsamt eingeladen worden und haben unsere erste Kooperation mit den lokalen Behörden geschlossen. Wir bekamen die Gebäudeumrisse der öffentlichen Gebäude, ja damals gab es noch keine verfügbaren hochaufgelösten Bing- Luftbilder die man verwenden konnte, und eine Liste der in Augsburg vergebenen Hausnummern erhalten, damit wir diese mit unserem Datenbestand abgleichen konnten. Als Folge der Pressemitteilung wurden wir von einem Journalisten des Bayerischen Rundfunks angeschrieben, ob man nicht einen Fernsehbeitrag darüber machen könnte. Als keine so wirklich wollte, nutzen Dietmar und ich die Gelegenheit OpenStreetMap bekannter zu machen. Den Beitrag der Abendschau findet man noch auf Youtube.

2009 gab es dann die erste Kooperation mit Aerowest, die hochauflösende (5cm/Pixel) Luftbilder von Dortmund in einem Pilotprojekt zur Verfügung gestellt haben, um zu testen, in wie weit die OSM-Community Hausnummern bereitstellen kann, wenn man ihr gute Luftbilder zum Häuser abzeichnen gibt. Das Pilotprojekt war erfolgreich, wie man an den Statistiken hier sehen kann. Es war schon mal eine tolle Erfahrung mit so tollen Luftbildern zu arbeiten. Man muss an dieser Stelle bedenken, dass es vorher außer den LandSat-Bildern, auf denen man mit Müh und Not Wald von Wiese unterscheiden konnte, keine wirklichen Luftbilder gab, von denen man abmalen durfte.

Ende 2010 war dann der historische Moment gekommen und Microsoft erlaubte das Verwenden der Bing-Luftbilder für OSM-Zwecke. Das Mühsame ablaufen von Wegen hatte ein Ende. Diese konnten nun detailgetreu verbessert werden und das mit modernen Mitteln. Für Häuser musste man sich zwar noch viel dazu denken, aber man konnte wenn man wollte. Plötzlich gab es wieder einen immer größer werdenden Berg an Gebieten, die man verbessern wollte und jetzt die Möglichkeit dazu hatte. Das gute Material war da, nur war die Zeit so knapp, dass man nicht alles geschafft hat, was man sich vorgenommen hat. Zusätzlich dazu gab es 2010 noch einen Erfolg beim Wikimedia „Wissenswert“ Wettbewerb, bei dem OSM Luftbilder für 5000€ zur Verfügung gestellt wurden. Kooperationspartner war dann wieder Aerowest, deren Bilder man dann für einen gewissen Zeitraum komplett nutzen durfte, jedoch war es recht umständlich für viele Gebiete, da immer eigene Verträge für jede Stadt abgeschlossen werden mussten, damit man sie als WMS-Dienst direkt im Editor verwenden konnte, ohne jedes einzelne georeferenzierte JPG einzeln einladen zu müssen.

Seit der Verfügbarkeit der Luftbilder stieg die Anzahl der Gebäude auf der Karte rasant an und auch das Erfassen von Hausnummern hat mit Gebäuden, denen die Nummern zugeordnet werden konnten, viel mehr Spaß gemacht. Als es dann keine Straßen mehr gab die in Augsburg fehlten, haben Dietmar und ich uns ein Stadtteil-Hausnummernbattle geliefert, welcher Stadtteil wohl als erstes vollständig erfasst sein würde. Auch wenn ich nicht mehr in Augsburg wohne, so ist der aktuelle Erfassungsstand von über 90% schon sehr beeindruckend! Neben des Hausnummerbattles war es auch während der Zeit des Lizenzwechsels auf die ODbL immer ein nettes Spiel unter die Top100 Mapper Deutschlands zu kommen, was mir für ein paar Wochen auch gelang. Dietmar hat da weniger Schwierigkeiten und ist sicherlich auch heute noch einer der Top50-Mapper!

Während meiner Promotion komme ich im Moment leider nicht mehr viel zum Mappen, jedoch muss jeder Briefkasten sehr zum Leid meiner Freundin immer fotografiert werden, damit Leerungszeiten und Standort eingetragen werden können. Auch das Hausnummernmapping ist im Vergleich zu früher, wo ich noch Wegpunkte für jede Hausnummer notiert habe und auf einem Zettel die zugehörige Nummer notiert habe durch Apps wie dem sehr guten KeyPadMapper für Android viel einfacher und praktischer geworden, so dass nun das Erfassen von 1000 Hausnummern pro Tag recht einfach möglich ist.

OpenStreetMap und die Idee dahinter eine freie Weltkarte zu erschaffen fasziniert mich jeden Tag wieder auf’s Neue und egal wo man ist, wenn einen das „Mapping-Fieber“ erst einmal gepackt hat, denkt man immer in gemappten und ungemappten Dingen. Aber wie auch in den letzten Beiträgen zu OpenStreetMap, probiert es aus, aber Vorsicht!, es macht verdammt süchtig! Und mit dem neuen HTML5-basierten-Editor iD ist es für Anfänger noch einfacher geworden, zum Projekt etwas beizutragen!


2 Kommentare

vinz · 31. August 2013 um 18:23

Ein toller Rückblick! Sehr interessant zu lesen, wie das alles so gelaufen ist!

Zusammenfassung der Woche ab 26.08.2013 | IRON BLOGGER ADN · 2. September 2013 um 00:11

[…] Vier Jahre OpenStreetMap – Ein Rückblick […]

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