Warum der letzte Tatort so traurig war

Der letzte Tatort „Der Fall Reinhardt“ (Köln) beschrieb das Scheitern einer Oberschichtfamilie, die das Scheitern nie gelernt hat. Eine Familie die am Versuch den Schein zu wahren zerbrach. Dies gipfelte im Tod der drei Kinder.

Der Plot verspricht also eine Drama erster Güte. Aber der Tod der Kinder war nicht das traurigste. Das traurigste ist auch nicht die Familie, die sich in den Abgrund manövriert, weil sie keine Niederlage akzeptieren kann. Nein, traurig ist das Frauenbild, dass in diesem Film gezeichnet wird. Und das traurigste ist, dass es, wie es scheint keinem aufgefallen ist. Die Kritiken des Films sind durchweg recht positiv und das ist nicht nur traurig, sondern auch erschreckend und alarmierend.

Alle weiblichen Charaktere (vielleicht mit Ausnahme der recht neutral angelegten Jobcenter-Mitarbeiterin) entsprechen einem Klischee, das überholter und widerlicher nicht sein könnte:

Da haben wir zuerst einmal die Studentin und alleinerziehende Mutter. Toll, eine junge aufstrebende Wissenschaftlerin, die der Doppelbelastung Familie und Studium gewachsen ist möchte man meinen, doch weit gefehlt: Das Kind ist nämlich von ihrem Professor und die großzügig bemessene Wohnung gehört ihrem Vater. Sie hat also de facto rein gar nichts geleistet in ihrem Leben.

Dann haben wir noch die Ex-Kollegin des Familienvaters. Auf die Frage wieso dieser denn entlassen wurde entspann sich folgender Dialog. „Rationalisierung, es hat viele damals getroffen.“ „Aber Sie durften bleiben.“ „Geschenk der Quote.“ Sie hätte ja auch antworten könne, dass eben auf die besten und fähigsten Arbeitskräfte nicht verzichtet werden kann. Aber nein, sie hat ihren Job einzig der Quote zu verdanken und wäre sie keine Frau wäre sie sicher ebenso entlassen worden.

Und zu guter Letzt die Hauptrolle: Die Mutter der Familie. Und damit ist ihr Charakter auch schon völlig erzählt. Sie ist Mutter. Ohne Interessen, Hobbies und Talente. Damit nicht genug, so war es ihr offenbar sehr wichtig die Arbeitslosigkeit ihres Mannes zu vertuschen und den Lebensstil aufrecht zu erhalten. Aber selbst etwas dafür zu tun kam ihr offenbar nie in den Sinn. Aber nicht nur ihr, auch den Herrn Kommissaren nicht, die den finanziellen Absturz im Detail nachvollziehen. Ist die Frage wieso nicht einfach sie arbeiten ging, ob sie denn was gelernt hätte, oder ob denn nicht ein Aushilfs- oder Putzjob wenigstens eine Option gewesen wäre um den Sturz etwas zu bremsen, wirklich so abwegig?

Ansonsten tauchten keine weiteren weiblichen Figuren auf. Die im Vorgänger ermordete Franziska wurde durch einen jungen und kompetenten Mann ersetzt, dem die Unfähigkeit seiner Kollegen Respekt und Anerkennung zu zeigen offenbar völlig egal ist. Die im Film zu Beginn angesprochene Psychologin entpuppt sich ebenfalls als Mann und neben den Kommissaren bleibt so nur noch die Rolle des Familienvaters, dessen überbordende Männlichkeit auch schon ziemlich dicht an der Satire streift.

Und eben eine solche hätte ich bei dieser Figurenkonstellation auch erwartet. Und keine Tragödie, mit dem Anspruch ein Spiegel der Gesellschaft zu sein.

Aber vielleicht ist die Gesellschaft gar nicht so weit von der im Film gezeigten entfernt, wie sonst kann man sich die positive Resonanz erklären? Wieso merkt niemand was für ein Frauenbild hier gezeichnet wird?

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