Dies ist eine Replik auf den Blogeintrag von Vinzv. Die Kernaussage in seinem Beitrag ist, dass er ist kein Veganer weil sich Veganer überlegen fühlen und ständig missionieren. Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen, dass in meinem Freundeskreis die Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, eher von den Fleischessern missioniert werden als umgekehrt. Ständig dumme Sprüche über das Essen. Eine kleine Auswahl bietet dieses Youtube-Video.

Auch das Zitat von Prof. Dr. Klotter halte ich für zu stark verallgemeinernd:

Gesundheit wird als Schwert im Kampf um einen moralisch höheren Standpunkt eingesetzt. […] Das fängt bei Bio an. Bio ist eine Marke gesellschaftlicher und moralischer Überlegenheit. Es belegt besseren sozialen Status, Fortschrittlichkeit. Vegetarier oder Veganer qualifizieren Fleischesser als rückständig, unbelehrbar und rücksichtslos ab.

Ich versuche schon seit meines Studiums hauptsächlich Bio-Lebensmittel zu kaufen. Nicht um mich abzugrenzen, sondern aus vielen verschiedenen Gründen, Gesundheit steht da eher im hinteren Teil der Liste. Hauptsächlich geht es mir bei Bio um einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Planeten. Dabei geht es zum einen um gesunde Fruchtfolgen, Humuserzeugung statt Erosion, natürliche Dünger statt synthetischen Spritzmitteln, die im gleichen Atemzug auch den Arbeiterinnen und Arbeitern schaden, keine Gentechnik und meistens auch ein positiveres Menschenbild bei den herstellenden Firmen. Klar hat sich das alles seit des Bio-Booms mehr in Richtung Kommerz geschoben, aber die Grundideale sind für mich immer noch sehr unterstützenswert, nicht aus Überlegenheit, sondern aus gesundem Menschenverstand und der Verantwortung dem Planeten gegenüber. Und da ich es selbst als Student geschafft habe Bio-Lebensmittel zu kaufen, denke ich nicht dass man besonders reich sein muss, um mit seinem Geldbeutel abstimmen zu können. Man muss eben Prioritäten setzen. Auch ich konnte mir nicht alles leisten was ich gerne gehabt hätte, aber Lebensmittel standen eben an erster Stelle.

Aber zurück zum Thema, ich finde nicht, dass man einen etablierten Begriff, der einfach alles markant zusammenfasst, ablehnen sollte, nur weil eine kleine Minderheit missionarischen Eifer an den Tag legt, der nicht nur die Nichtveganer nervt. Zudem denke ich auch, dass in der aktuellen Situation (Klimaerwärmung, Hunger, Gentechnik, etc.) die Ernährung ein stark politisches Thema bleiben wird. Davon abgesehen ist eine Diskussion über Tierrechte und was man mit Tieren machen darf und was nicht, gerade in Zeiten in denen die Wissenschaft immer mehr über die Funktionsweise anderer Lebewesen und deren vorhandenes oder nicht vorhandenes Bewusstsein herausfindet, eine sehr wichtige. Ich bin Veganer, weil ich damit kurz und prägnant zusammenfasse, wie ich lebe, damit aber nicht missioniere. Und aus meiner Sicht sind es Fleischesser, die den Begriff vegan negativ konnotieren.