Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großer Verwunderung musste ich heute beim Schauen des ZDF-Morgenmagazins feststellen, in welcher perfiden Art und Weise Stimmung für die Vorratsdatenspeicherung gemacht wurde. Zuerst das Thema mit Kinderpornographie und Gefahren des Netzes einleiten, um dann geschickt die Vorratsdatenspeicherung zu fordern, bzw. die Gegner so darzustellen, als fänden sie das, was mit den Kindern passiert nicht so schlimm, finde ich unerträglich und eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders nicht würdig. Ich erwarte von über Zwangsabgaben vom Zuschauer finanzierte Berichte, dass sie neutral formuliert sind und beide Seiten beleuchten und nicht einseitig Stimmung machen. Der Öffentlich-Rechtliche-Rundfunk hat, auch wenn das heutzutage oft gerne vernachlässigt wird, einen Bildungsauftrag und dazu gehört es auch zu erwähnen, dass die Vorratsdatenspeicherung die Aufklärung von Delikten im Internet eben NICHT erhöht hat [1], die erste Version davon verfassungswidrig war [2] und gegen das Grundgesetz verstieß und dass die nicht umgesetzte EU-Richtlinie gerade überarbeitet wird [3]. Das alles ist nicht passiert. Zudem wurde hier die Problematik höchst unsachlich dargestellt und versucht mittels Emotionalität zwei vollkommen unterschiedliche Themen in Verbindung zu bringen.

Mit freundlichen Grüßen
Benjamin Lebsanft

1: https://www.vorratsdatenspeicherung.de/content/view/539/55/lang,de/

2: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/grundsatzurteil-vorratsdatenspeicherung-verstoesst-gegen-verfassung-a-681122.html

3: https://netzpolitik.org/2012/eu-kommission-uberarbeitung-der-richtlinie-zur-vorratsdatenspeicherung-wird-noch-weiter-verschoben/